Katastrophen

Wie man eine Seuche überlebt

„Wie man eine Seuche überlebt“ nimmt oft biblische Ausmaßen an. Einmal schreit Drehbuchautor und Aktivist Larry Kramer „Pest!“ und es ist eine Szene wie im Alten Testament oder aus Shakespeare. Es gibt viele solche Momente in einem herzzerreißenden und letztlich ermächtigenden Bericht darüber, wie Aids-Aktivisten in den späten 1980er Jahren die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal ergriffen, als die US-Regierung und das Gesundheitswesen sie grausam im Stich ließen.

Kramers Ausbruch ist außergewöhnlich, festgehalten zusammen mit siebenhundert Stunden Reportagen, Fernsehinterviews und Nachrichtensendungen, durch die sich Regisseur David France gekämpft hat, um das Publikum mitten in den Kampf hinein zu versetzen. Umso bemerkenswerter ist es, wie entschlossen die ungleiche Gruppe, die Kramer zusammentrommelt, ihre Differenzen beiseitelegt, um eine geeinte und weitreichende Kraft für Veränderung zu werden und Leben zu retten – während sie alle mit ihrem Tod rechnen müssen.

Ähnlich der gleichermaßen ergreifenden Dokumentation „Wir waren hier“, die die Reaktion auf den Ausbruch von Aids in San Francisco dokumentierte, zeichnet „Wie überlebt man eine Seuche“ ein sehr genaues Porträt gemeinschaftlichen Handelns angesichts sträflicher Vernachlässigung durch die Regierung und verheerender Vorurteile gegen homosexuelle Menschen. Aussagen des damaligen Präsidenten George Bush, der behauptete, eine „Veränderung des Lebensstils“ sei das einzig mögliche Heilmittel gegen HIV, stehen im direkten Kontrast zu den mutigen und verzweifelten Aussagen der Menschen, die friedliche Proteste veranstalten, die die Positionen der Regierung und der Pharmaindustrie schlussendlich herausfordern sollten.

In einer schwer zu ertragenden Szene wird die Asche von geliebten Angehörigen auf dem Rasen des Weißen Hauses verstreut, während berittene Polizisten versuchen, die Protestierenden davon abzuhalten, die Wahrheit zu sagen. Doch selbst inmitten solcher Auseinandersetzungen erkannten die Behörden, dass die vielen unterschiedlichen Menschen – nicht nur Homosexuelle – vielleicht einen Punkt hatten. Allmählich wurden die Mitglieder von Act Up nicht zuletzt wegen Chemikern und Forschern unter ihnen in die Gremien von denjenigen aufgenommen, die die Krise fortan mit der Unterstützung der Regierung bekämpfen sollten. Ihre fundierten, informierten und praktischen Antworten auf Experimente mit Medikamenten wurden zu einem Schlüsselelement bei der Suche nach einer Heilungsmethode.

Mit seinen intimen Aufnahmen von Aktivisten, von denen einige vor und andere nach dem Abspann an der Krankheit verstarben, ist „Wie man eine Seuche überlebt“ eines der denkwürdigsten Porträts über Aktivismus und das Umstürzen eines Systems. Der Schlachtruf der Bewegung: „Schweigen ist gleich Tod“ ist berühmt geworden.