Katastrophen

When the Leeves broke

Vielleicht der größte Meilenstein, den Spike Lee je erreicht hat, ist seine berühmte Dokumentation über das Desaster des Hurrikan Katrina in New Orleans. „When the Leeves Broke“ ist ein einzigartig starkes Denkmal einer Katastrophe, wobei das politische und moralische Desaster das natürliche bei Weitem überschattet – so eindrucksvoll ist die Dokumentation, dass sie inzwischen als Dokument einer nationalen Schande bekannt ist. In einer theatergleichen Struktur von vier Stunden langen Akten zeichnet Lee die Zerstörungen nach, die nicht nur durch den Hurrikan Katrina 2005, sondern auch durch arrogante und scheinbar gleichgültige Bundesstaaten entstanden sind. Es zeigt, wie die Autoritäten Fidel spielten, während der Süden des Landes im Leid versank.

Die volksnahen Geschichten aus New Orleans über die Einwohner der berühmten Stadt, die nach dem Hurrikan Katrina alles verloren haben, und die tief einschneidende Feststellung, dass die zerstörte Stadt ein Jahr nach der Katastrophe weitgehend aufgegeben wurde, sich selbst überlassen wurde, ist herzzerreißend und erschütternd zugleich.

Zeugen und Kritiker, Experten und Schwindler bilden einen kraftvollen Chor, der Rassen- und Klassengrenzen durchquert. Obwohl auch Hoffnung in dieses Gewand aus Wut, Tragik und Unglauben eingewoben ist, lässt die Unfähigkeit der Regierung auf fast jeder Ebene, schnell und effizient zu handeln, jede aufkeimende Hoffnung auf Verlässlichkeit des Staates im Keim ersticken.

Die Anblicke, die so vielen Menschen auf der ganzen Welt durch ihre Bildschirme bekannt sind, bleiben immer noch schockierend wie damals: Menschen, die auf Dächern kriechen, winken Helikoptern zu, schreien um Hilfe, und Tausende drängen sich in den Superdome, der sich über mehrere Tage zu einer riesigen Kanalisation verwandelt. Am traurigsten sind die persönlichen Geschichten von Menschen, die in der Flut, die 80 Prozent der Stadt überschwemmte, Liebste und Angehörige verloren. Bezirke, die streckenweise aussehen wie eine ausgebombte Kriegszone.

Das Publikum sieht die Freunde und Verwandten, deren Körper von Angehörigen entdeckt wurden. Am Ende eines Aktes zeigt der Film sogar Leichen, manche bedeckt, manche nicht, die auf der Straße liegen wie die Trümmer von Häusern.

Der Trompeter Terence Blanchard, der den inzwischen berühmt gewordenen Soundtrack des Films komponierte, begleitet seine Mutter vor unseren Augen nach der Sintflut zum ersten Mal zärtlich zu ihrem zerstörten Haus. Als sie das volle Ausmaß der Zerstörung ihres Hauses begreift, bricht sie zusammen.

Vielleicht das bahnbrechendste der Dokumentation ist jedoch ein Vergleich. Calvin Mackie, Professor für Maschinenbau an der berühmten Tulane Universität in New Orleans, rechnet in dem Film vor, dass der Schaden von 9/11 auf 0,06 Quadratkilometer von Manhattan beschränkt war, während die von Katrina verursachten Verwüstungen 346 Quadratkilometer umfassten.

Doch 9/11 war ein Angriff von außen – Katrina von den Menschen, die ihre Bürger beschützen sollten.

Spike Lee’s „When the Leeves broke“ ist ein Meisterbeispiel für die Dokumentation von Desastern und heute so relevant wie damals.