Persönlichkeiten

Weiner

Ein Mann, der in Schande aufgrund eines Sextingskandals aus seinem Amt getrieben wurde, tritt danach nicht nur bei der Bürgermeisterwahl von New York an, sondern lässt das Ganze auch noch bis ins intimste Detail filmen.

Egal, was passiert, und selbst, als das Undenkbare passiert und mitten währen des Wahlkampfs herauskommt: Weiner hat es wieder getan, während seine Frau, die ihm das erste Mal vergeben hat, neben ihm stehen muss, überschattet doch eine einzige Frage alle anderen Fragen, die der Zuschauer hat: Wieso hat Weiner sich und seiner Familie das angetan?

Josh Kriegmann und Eylse Steinbergs tragikomisches Porträt von Anthony Weiners katastrophalem Neuanfang, der in der Besieglung aller zukünftiger Ambitionen endet, endet entsprechend damit, dass die Regisseure eine Frage stellen, die eigentlich in jeder Dokumentation Pflicht sein sollte: „Warum haben Sie uns Sie filmen lassen?“ Weiner kann oder will nicht antworten, aber der Grund ist schmerzlich klar im Raum: Weil er nicht anders kann. Er ist ein Narziss, besessen von Aufmerksamkeit und davon, seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Es ist ein tragisches, relevantes Porträt menschlicher Schwächen und in gewisser Weise auch der Abdruck eines Mannes, der großartig hätte sein können, wenn er nicht so schrecklich wäre. „Weiner“ ist ein Dokumentarfilm so ehrlich und vielseitig, so unglaublich, dass man sich am Ende fast wünscht, er wäre nicht so akkurat.