Experimental

The Reunion

Die polarisierende schwedische Regisseurin Anna Odell, über deren inszenierten Suizidversuch immer noch viel diskutiert wird, geht in „The Reunion“ in ein Trauma, was viele Menschen kennen, über das jedoch immer noch nicht genug gesprochen wird: Mobbing.

Zuerst begegnen wir ihr bei einem Klassentreffen, das direkt aus Verblendung stammen könnte, wenn man sich das Level an Feindlichkeit und psychischer Spannung anschaut. Diese Anna Odell, brav und konventionell wirkend, steht auf und beginnt eine Rede, in der sie ruhig ihre Behandlung ihren Mobbern auflistet. Sie wird schließlich von den alten Klassenkameraden hinaus geschmissen.

Doch dann stellt sich heraus, dass alles nur gestellt war. Eine zweite Anna Odell, diesmal mehr als sie selbst, eine experimentelle Filmemacherin, lädt ihre echten Mobber ein, den ersten Film zu sehen und zu ihren Anschuldigungen Stellung zu beziehen. Denn – nicht nur war sie nicht beim wirklichen Klassentreffen dabei, sie war nicht mal eingeladen. Das Unbehagen steht den Menschen ins Gesicht geschrieben. Manche beginnen sofort mit Ausflüchten, andere beginnen es zu hinterfragen.

„The Reunion“ ist eine ehrliche und zugleich zutiefst verstörende Auseinandersetzung mit dem eigenen Mobbing. Denn bei aller Diskussion, wie echt die Diskussionen und Darstellungen sind, wird eines in jeder Szene deutlich klar: der nie aufhörende Schmerz Anna Odells über die Ablehnung und Misshandlung, die sie als unschuldiges Kind erfahren musste. Auch schmerzlich bewusst wird, dass in der schwedischen Gesellschaft, die oft als Uptopie von sozialen Leuten dargestellt wird, dasselbe Problem von Mobbing besteht wie überall.

Was aber ohne Frage einzigartig ist an dieser Dokumentation ist, dass nicht berühmte Menschen öffentlich mit privaten Sünden konfrontiert werden. In gewisser Weise ist es der Traum von vielen gemobbten Außenseitern, dies einmal tun zu können. Für manche ist es vielleicht ein Alptraum, für Odell scheint es beides zu sein.

The Reunion wurde 2014 als bester Film auf dem Jameson Dublin International Film Festival ausgezeichnet.