Katastrophen

Kate Plays Christine

Am Morgen des 15. Juli 1974 trug eine Nachrichtenreporterin namens Christine Chubbuck einige der großen Meldungen des Tages vor und schoss sich anschließend im Live-Fernsehen mit erschütternder Ruhe selbst in den Kopf. Aufnahmen des fatalen Ereignisses wurden nie wieder gezeigt, der Sender behauptete hartnäckig, es existierten keine, obwohl ein Band angeblich hinter Schloss und Riegel in einer Anwaltskanzlei liegt. Für den Filmemacher Robert Greene, der schon immer von der mythischen Kraft der Bilder und deren Implikationen fasziniert war, war Chubbucks performativer Selbstmord ein unwiderstehliches Thema. Er beschloss, das fehlende Video nachzubauen, mit Reaktionen, die polarisierten.

Schauspielerin Kate Lyn Sheil wagte sich an die einzigartige Rolle von Chubbuck und nähert sich der realen Person auf gefährliche Art und Weise an. Greenes charakteristisch selbstreflexive und zunehmend hypnotische Bilder vermischen Tatsache und Fiktion so sehr, bis die beiden im Dunst von Floridas Sonne in ihren Bildern kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind. Einfühlsamer, nachdenklicher und aggressiver als alles, was Greene jemals gemacht hat, setzt „Kate Plays Christine“ eine morbide historische Fußnote mit einer wesentlichen Dokumentation über die Ethik der Exhumierung der Toten auf der Leinwand um – eine Frage, über die sich Ethiker und Filmemacher immer streiten werden.