Katastrophen

Harlan County, U.S.A.

Der Film ruht komplett in der Geschichte eines Bergarbeiterstreiks in Kentucky, wo das Unternehmen bewaffnete Schläger anheuerte, um Arbeiter in die Minen zu zwingen. Die mächtigsten Demonstranten waren die Frauen der Bergarbeiter – musikalisch, unzähmbar und mutig. Die unsterblichste Szene des Films ist die, in der vor Tagesanbruch Gewehre auf die Streikenden in der Dunkelheit abgefeuert werden und die berühmte die Dokumentarfilmerin Barbara Kopple und ihr Kameramann niedergeschlagen und zusammengeprügelt werden.

Kopple erfuhr später, dass der Minenvorstand wirklich das Ziel hatte sie zu töten, um die Reportage seiner Verbrechen zu verhindern. Kameramann Hart Perry bekam durch die schreckliche Erfahrung jedoch die Aufnahme eines bewaffneten Unternehmensangestellten in den Kasten und daraufhin wurde der erste Haftbefehl für eine Festnahme auf den Weg gebracht.

Florence Riece, eine 69-jährige Frau und Schwester der Minenarbeiter, schrieb Songs für den Protest und den Film. „Which Side Are You On?“ wird bis heute in Protesten und Filmen benutzt.

Begleitet von einem Übersetzer erzählen die spanischsprachigen Bergleute ihre Geschichte. Ein Bergarbeiter beschwert sich, dass sein Vorarbeiter verlangte, dass er ihm jeden Tag eine Flasche Alkohol geben solle – als Dank dafür, dass er Arbeit hatte. Der Preis solch einer Flasche stellte zehn Prozent seines Tageslohns dar.

Kopple und Perry verbrachten 18 Monate in Harlan County und filmten nicht nur was passierte, sondern waren aktiv beteiligt. Ihre Cutterin Nancy Baker nahm Hunderte von Stunden Videomaterial auf und brachte es mit Macht und Klarheit zusammen.

Der Film zeigt die Komplexität des amerikanischen Kohlebergbaus im Allgemeinen, ein Thema, das spätestens seit der Präsidentschaftswahl in Amerika 2016 wieder in aller Munde ist. Kopple brachte es außerdem zwei Oscars ein sowie die Untermauerung eines mutigen Dokumentarfilmstils, in dem die Filmemacherin nicht nur ihre Subjekte festhielt, sondern mit ihnen kämpfte.