Experimental

All These Sleepless Nights

Die porträtierten Menschen gehen zwei Stunden lang nirgendwohin. Wie so viele junge Menschen einer Generation, die auf Konsum und Erlebnis aus ist, ohne es selber zu kreieren.

Hätte Terrence Malick in seinen vielen Jahren, in denen er versucht hat, transzendentalistische Filme zu machen, sich auch einmal an das Dokumentarfilmgenre gewagt, Michal Marczaks „All These Sleepless Nights“ wäre vermutlich das Ergebnis gewesen – das Gefühl beim Sehen ist zumindest das Gleiche. Der Film ist eine verworrene Odyssee durch das Leben zweier polnischer junger Erwachsener , die sich durch verschwommene Traumszenarien windet. Dieses kleine Meisterwerk lässt die Grenzen zwischen Fiktion und realer Dokumentation immer mehr verschwimmen, bis man sich nicht mehr sicher ist, was wahr ist und was nicht.

Es ist der Versuch eines Films, sich wie eine Realityshow aufzubauen, nur eine Realityshow, die als hochklassiges expressionistisches Gemälde inszeniert wurde, und zwar von einer Stadt, die wieder von den Toten aufzuerstehen scheint. Die übliche warme Präsentation von Jugend fehlt hier völlig. Die Menschen sind wie Geister und sich selber darüber schmerzlich bewusst. „All These Sleepless Nights“ erweckt nicht Hoffnung, aus dem gespenstergleichen Dasein auszubrechen, indem er Wege hinaus zeigt – sondern dadurch, dass er zeigt, dass sie es wenigstens versuchen.